KSG Andernach


Christoph Blath:
Tiefgreifende Änderungen in der Ausbildung der künftigen Gymnasiallehrer



Die Ausbildung der Gymnasiallehrer in Rheinland-Pfalz steht vor tiefgreifenden Änderungen. Sie umfaßt bisher ein volles fachwissenschaftliches Studium von mindestens acht Semestern sowie einen auf die Unterrichtspraxis ausgerichteten Vorbereitungsdienst. Demgegenüber wird in naher Zukunft ein Ausbildungskonzept Wirklichkeit werden, welches von Didaktikern der bisher vor allem mit der Ausbildung von Grund- und Hauptschullehrern befaßten Universität Koblenz-Landau erarbeitet worden ist. Es sieht ein gemeinsames sechssemestriges Grundstudium ("Bachelor-Studium") für Lehrer aller Schularten - mit einer gewissen schulartbezogenen Profilierung im dritten Studienjahr - vor, welches jeweils zu einem Drittel die beiden Fachwissenschaften sowie die sog. Bildungswissenschaften beinhaltet- Es folgt ein viersemestriges "Master-Studium", welches mit dem "Master-Examen" und dem ersten Staatsexamen abgeschlossen wird. Danach wird ein einjähriges Referendariat absolviert. Zwecks enger Verzahnung von fachwissenschaftlicher und "bildungswissenschaftlicher" Ausbildung werden an den Universitäten Zentren für Lehrerbildung eingerichtet, die das Lehrerstudium im Zusammenhang mit den Studienseminaren steuern. Außerdem sind ausführliche Praktika an den Schulen vorgesehen.

Dieses von Wissenschaftsminister Zöllner (SPD) im Frühjahr 2002 der Öffentlichkeit vorgestellte Konzept ist von verschiedenen Seiten (Philologenverband, CDU, Gemeinsamer Ausschuß der naturwissenschaftlichen Fachbereiche der Universität Mainz) heftig kritisiert worden. Beanstandet wurde die Reduktion des Studiums der Fachwissenschaften, vor allem in den ersten drei Jahren, was beispielsweise bei den Naturwissenschaften bei fünfeinhalb Semesterwochenstunden pro Fach zu einer erheblichen Qualitätseinbuße im Grundstudium führe. Defizite in der fachwissenschaftlichen Ausbildung der Lehrer könnten aber nicht ohne Folgen für den inhaltlichen Anspruch des Gymnasiums bleiben. Auch wurde die Befürchtung geäußert, durch das schulartübergreifende Fachstudium in der ersten Phase, welches alle künftigen Gymnasiallehrer zudem mit dem Verlust wertvoller Studienzeit einhergehe, werde der Einführung des Einheitslehrers und damit auch der Einheitsschule Vorschub geleistet.

Diese Einwände stießen indes im Wissenschaftsministerium auf taube Ohren. Nicht einmal die Forderung der FDP, den spezifischen Ansprüchen der einzelnen Schularten vom ersten Semester an Rechnung zu tragen, wurde in nennenswertem Umfang berücksichtigt. Dem kleineren Koalitionspartner stellte man für den Fall des Scheiterns der neuen Lehrerbildung sogar das Ende der politischen Zusammenarbeit zugunsten eines rot-grünen Regierungsbündnisses in Aussicht.

Somit wird die herkömmliche Gymnasiallehrerbildung in Rheinland-Pfalz demnächst der Vergangenheit angehören. Daß das neue Konzept keine negativen Folgen für die Qualität gymnasialer Bildung haben wird, ist kaum vorstellbar. Im Augenblick bleibt nur die Hoffnung auf die Lernfähigkeit der Bildungspolitiker. Dafür sprechen nicht zuletzt die Abschaffung der Stufenlehrerausbildung und die Wiedereinführung einer eigenen Ausbildung für Gymnasiallehrer in Nordrhein-Westfalen.