KSG Andernach


Diskussionsabend der SV über Terrorkrieg: Ursachen - Wirkungen - Folgen



Wer erinnert sich noch an die letzten SV-Wahlen, an die Diskussionen um das Engagement einiger Mitschüler, die Debatten über die Realisierung einiger Wahlversprechen und an die Kritik an den SV-Kandidaten? Aber es scheint doch noch Hoffnung zu geben in einem Land, in dem Wahlversprechen sowohl in der kleinen als auch in der großen Politik nicht mehr für voll genommen werden. Der SV-Vorstand und mit ihm die ganze SV hat es mal geschafft, etwas auf die Beine zu stellen. Schon die Flugblattaktion (die jeder politisch interessierte Schüler mitbekommen haben sollte) hat uns gezeigt, daß etwas getan wird. Doch es kam noch besser! Am 23. 10. 2001 veranstaltete die neue SV ihren ersten Diskussionsabend zu folgendem Thema, das sich auf die aktuelle politische Lage bezog: Terrorkrieg: Ursachen - Wirkungen - Folgen. Leider war aber die Reaktion auf dieses Angebot sehr mager. Ob dies auf die schlechte Information von Seiten der SV oder auf das politische Desinteresse unserer Mitschüler zurückzuführen ist, sei dahingestellt.

Trotz einer geringen Teilnehmerzahl von etwa zwanzig Schülern und drei Lehrkräften wurde der Diskussionsabend unter Moderation von Ute Rulf gestartet. Es referierten unser Sozialkundelehrer Herr Sigismund, Hauptmann Schindler von der Bundeswehr und unser Mitschüler Salah Sayar aus der MSS 13.
Gedenkfeier 2001
19. September 2001: Gedenkfeier für die Opfer der Terroranschläge in New York und Washington. Kerzen im Foyer des KSG.
Foto: Peter Heinsch


Herr Sigismund bot zunächst einmal einen sehr informativen Überblick über die geschichtlichen Fakten im Nahen Osten. Er erläuterte die verschiedenen Ursachen, die zu den Konflikten zwischen der westlichen und arabischen Welt geführt haben, und verdeutlichte somit die augenblickliche verfahrene Situation.

Danach folgte ein Vortrag des Oberstufenschülers Salah Sayar. Er lebt seit elf Jahren in Deutschland, wurde aber in Kabul geboren. Er hat sowohl Verwandte in New York als auch in Afghanistan und ist dadurch von den Ereignissen, ausgelöst am 11. September, „persönlich betroffen“. Er konnte uns ein sehr gutes Bild über die Situation in Afghanistan vermitteln - ein „Land, das lange Spielball der Mächte war“, in dem vor der Machtübernahme der Taliban „Frauen in allen führenden Positionen vertreten waren“. Salah erläuterte, daß das durch die Massenmedien vermittelte Geschrei gegen den Islam vollkommen ungerechtfertigt sei. Der Koran lasse sich wie die Bibel auf verschiedene Art und Weise interpretieren und werde daher auch von den verschiedenen Gruppen in der Welt anders aufgefaßt. Als „liberaler Muslime“ bedauert Salah, daß die radikale Minderheit der Taliban den Islam mißbrauche, um ihre Verbrechen zu rechtfertigen.

Als letztes erklärte Hauptmann Schindler, ein Presseoffizier der Bundeswehr, die genauen Strukturen der Nato und die Rolle der Bundeswehr in der gegenwärtigen sicherheitspolitischen Lage des „kollektiven Bündnisfalles“.

Nach den Vorträgen entbrannte noch eine sehr interessante Diskussion, bei der jeder Schüler seine eigenen Ansichten darlegen konnte und auf seine Fragen eine Antwort fand. Vor allem Hauptmann Schindler konnte noch viele Fragen zum Thema „Bundeswehreinsatz in Afghanistan“ beantworten.

Die Wiedergabe sämtlicher Informationen dieses Abends würde den Rahmen sprengen. Alle Vorträge waren interessant und gaben eine Menge Aufschluß über die weltpolitische Lage. Den Referenten sei an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön ausgesprochen!

Der SV ist es gelungen, eine sehr gute Veranstaltung auf die Beine zu stellen, die den Teilnehmern viele neue Ansichten und Informationen bot. Allerdings war das Interesse kaum nennenswert - und für ein Gymnasium, das sich für eine hochgebildete, humanistische Schule hält und nicht wie die Schulen in der Nachbarschaft als Spiel-und-Spaß-Schule dargestellt werden will, geradezu peinlich. Damit so etwas bei der nächsten Veranstaltung nicht noch einmal passiert, will ich noch auf eine Kleinigkeit hinweisen: Kuchen (sogar von Schülersprecher Johannes Porz selbst gebacken) und Getränke standen zur freien Verfügung, und es gab sie umsonst - vielleicht lassen sich ja so noch ein paar Menschen in Veranstaltungen dieser Art locken.

aus „Sphinx“, Ausgabe 61