Jugendbuchautorin Ursula Fuchs zu Gast am KSG
Im Rahmen des Deutschunterrichts hatten sich die Klassen 5a, 5b und 5c unter der Leitung ihrer Deutschlehrerinnen Dorothea König, Annegret Rayes und Petra Weber mit dem Jugendbuch „Wiebke und Paul“ beschäftigt. Im Mittelpunkt dieses Buches von Ursula Fuchs steht die elfjährige Wiebke, die keinem erzählen soll, warum ihr Vater eine Kur machen muß. Aber dann gewinnt sie den gleichaltrigen Paul zum Freund. Mit ihm kann sie über alles reden, auch über ihren Vater, der nicht mehr aufhören kann zu trinken. Wiebke lernt, daß Schweigen nicht hilft. Anschaulich und kindgerecht werden in diesem Buch das Alkoholproblem, aber auch Hilfsmöglichkeiten für Abhängige und ihre Familienangehörigen thematisiert.
Im Rahmen des schulischen Auftrags zur Suchtprävention ist diese Lektüre sehr wertvoll. Die Autorin recherchierte zwei Jahre lang in einer Klinik für Alkoholkranke und wurde für dieses Buch, das erstmals 1982 herausgegeben wurde, vom Ärztebund mit der „Silbernen Feder“ ausgezeichnet. Die einfühlsame Darstellung hatte die Schülerinnen und Schüler der Orientierungsstufe während der vergangenen Wochen sehr angesprochen, um so gespannter waren sie nun, die Autorin selber kennenzulernen.
Ursula Fuchs kam persönlich ans KSG, um sich einen Vormittag lang den neugierigen Fragen der jungen Leserschaft zu stellen. Die jüngsten Redakteurinnen der Schülerzeitung „Sphinx“ notierten eifrig für die nächste Ausgabe viel Interessantes zur Lebensgeschichte von U. Fuchs. Im April 1933 wurde sie in Münster/Westfalen geboren und lebt heute mit ihrer Familie in Darmstadt. Zunächst arbeitete sie als Journalistin. Daß sie inzwischen eine bekannte Schriftstellerin ist, verdankt sie ihren beiden Söhnen, die sich als Kinder immer selbsterfundene Geschichten von ihrer Mutter wünschten. Aus diesen Anfängen wurden im Laufe der Zeit zwanzig Bücher. Zu ihren bekanntesten Werken zählen heute „Das große Buch vom kleinen grünen Drachen“, „Mein Hund Mingo“ und natürlich „Emma oder die unruhige Zeit“, für das Ursula Fuchs mit dem deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet wurde.
Ob sie das Bücherschreiben in ihrer Schulzeit gelernt habe, wollten die Schülerinnen und Schüler wissen. „Nein“, schmunzelte die Autorin, „meine Schulaufsätze boten mir wenig Erfolgserlebnisse. Oft schrieb mir meine Lehrerin unter meine Aufsätze: ‚Ursula, deine Phantasie ist schon wieder mit dir durchgegangen!‘ Heute weiß ich: Viel Phantasie ist das Wichtigste zum Bücherschreiben!“
Nachdem die jungen KSGler ihr genügend Löcher in den Bauch gefragt und sich stolz ein persönliches Autogramm gesichert hatten, erzählten sie U. Fuchs von dem, was sie im Unterricht zu ihrem Buch herausgearbeitet hatten, und lasen sogar aus ihren Aufsätzen vor. Immer noch verwunderten sich einige darüber, daß die Autorin „schon so alt“ sei; „wir hätten sie uns viel jünger vorgestellt, weil sie sich so gut in Wiebke hineinversetzen kann“. Daß Fuchs wirklich die Sprache der Kinder spricht, merkte man auch bei der folgenden Lesung. Bei dem Auszug aus ihrem autobiographischen Werk „Emma oder die unruhige Zeit“ hingen sie förmlich an ihren Lippen. Der Vormittag mit Ursula Fuchs ging viel zu schnell vorbei, und einige zog es gleich im Anschluß an die Autorenlesung in die Schulbibliothek zur Bücherausleihe.