Projekt „Jugend und Umwelt - Partnerschulen im Dialog“
Gäste aus Cottbus am KSG
Bereits zum zweiten Mal fand vom 22. bis zum 26. Februar 1999 der Austausch des Kurfürst-Salentin-Gymnasiums mit dem Heinrich-Heine-Gymnasium in Cottbus statt. Im Rahmen des Projektes „Jugend und Umwelt-Partnerschulen im Dialog“ verbrachten die Cottbusser Gäste fünf Tage in Andernach, um Umwelt-Recherchen durchzuführen, die anschließend journalistisch aufbereitet und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht wurden.
In diesem Jahr stand der Austausch unter der Leitung von Dorothea König und Karl-Heinz Dominicus. Auf dem Programm standen neben den für das Projekt relevanten Untersuchungen ein Stadtrundgang durch Andernach, ein Ausflug nach Köln mit der Besteigung des Kölner Doms und eine Besichtigung des Museum Ludwig.
Wenn das Magma auf Grundwasser trifft
Die Vulkaneifel ist reich an Maaren. Der letzte Ausbruch fand vor 9.500 Jahren statt
Gesteinsbrocken fliegen durch die Luft, und rotglühende Lava quillt aus den Vulkanen in der Eifel hervor. Dichte, graue Rauchschwaden begleiten dieses beeindruckende Schauspiel. Das Grollen und Donnern, das mit einem mächtigen Gewitter zu vergleichen ist, versetzt die sonst so malerische Landschaft in Aufruhr.
„Viele Vulkane brechen nach dem Prinzip des Sektflaschenöffnens aus“, erklärt uns Walter Bell, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Maarmuseum in Manderscheid. Einen Vulkanausbruch müsse man sich so vorstellen: In der Erdkruste reißt eine tiefe Spalte auf, es kommt zu einer Druckentlastung, die Gase im Magma entweichen und reißen es mit an die Erdoberfläche. „Je mehr Gase, um so heftiger und explosiver der Ausbruch“, beschreibt der Biologe das Szenario. Das Magma der Eifel-Vulkane sei aus Magmakammern aufgestiegen, die in einer Tiefe von etwa 30 bis 40 Kilometern liegen. Tritt das Magma über einen Vulkanausbruch an die Erdoberfläche, so nennt man es Lava. „Solche spektakulären Naturereignisse haben der Eifel ein neues Gesicht gegeben“, meint Walter Bell. Tatsächlich prägen Vulkanberge, meterhohe Aufschüttungen von vulkanischen Lockerstoffen, gewaltige Lavaströme und Maare das heutige Landschaftsbild.
„Maare sind ein besonderer Vulkantyp“, erklärt der Leiter des Maarmuseums, Martin Koziol. Die trichterförmigen Hohlformen, die in die Landoberfläche der Eifel hineingesprengt wurden, entstanden dadurch, daß Magma tief in der Erdkruste beim Aufstieg auf Grundwasser traf. Bei diesem Aufeinandertreffen kam es zu einem explosionsartigen Verdampfen des Wassers, wodurch das Magma zerfetzt, devonisches Nebengestein mitgerissen und hoch in die Luft geschleudert wurde. Durch den enormen Druck entwichen gewaltige Gasmengen und stiegen zusammen mit heißen Glutwolken auf, die große Mengen von vulkanischen Lockerstoffen um das Maar herum ablagerten.
Heute gibt es über 70 Maare in der Eifel, von denen noch acht mit Wasser gefüllt sind. Seit vor rund 9.500 Jahren das Ulmener Maar als letzter Vulkan in der Eifel ausgebrochen ist, ist Ruhe eingekehrt. Es gibt aber noch zahlreiche Mineralquellen mit erhöhtem Kohlendioxid-Gehalt. „Das Vorhandensein von Kohlendioxid vulkanischen Ursprungs kann durchaus als Anzeichen vulkanischer Aktivität angesehen werden“, erläutert der Vulkanexperte. Die Gefahr eines Ausbruchs sei jedoch momentan nicht gegeben.
Karsten Haase, Christian Weller, Fabian Fenske und Lars Kleinau
Fossiliensammler und Naturfreunde
Die geologische Wunderwelt der Vulkaneifel lädt zur Spurensuche ein
Was sind schon zehn, fünfzehn Jahre in der Geschichte? In der Vulkaneifel geht es um Jahrmillionen! Das wird den Wanderern auf der Geo-Route in Manderscheid anschaulich vorgeführt. Etwa am Meerfelder Maar, dem größten der Eifel, oder dem Eckfelder Maar, das sogar Mexikaner und Japaner kennen, weil dort das Skelett des Urpferdchens gefunden wurde; genauso am Windsborn-Kratersee oder dem Mosenberg bei Bettenfeld, einer imponierenden Vulkankette.
Die geologische Wunderwelt des Mittelgebirges erstreckt sich von Manderscheid im Süden bis zum Nürburgring im Norden und von Mayen im Osten bis Gerolstein im Westen.
Die Vulkaneifel hat ihr Gesicht im Lauf der Jahrtausende mehrfach gewandelt. Wo jetzt Wälder grünen, wogte vor 400 Millionen Jahren ein Urmeer. Mal blühte die Landschaft tropisch, mal bedrohte sie tödliche Trockenheit. Seit 45 Millionen Jahren gibt es hier vulkanische Aktivität; das letzte dramatische Ereignis fand vor 12.000 Jahren statt, als der „Laacher See“ eruptierte.
Manderscheid, heilklimatischer und Kneipp-Kurort, liegt reizvoll im Tal der Lieser. Rainer Schmitz, Leiter der dortigen Kurverwaltung, berichtet, daß der kleine Ort vor allem wegen seiner dekorativen Burgen bekannt ist, die im August eines jeden Jahres Kulisse für ein großes Burgfest sind. Die Oberburg, erzählt er, wurde schon 973 erstmals erwähnt und gehörte damals dem Kurfürsten von Trier. Die sogenannte Niederburg erbauten die Grafen von Manderscheid im 12. Jahrhundert. Jetzt beherbergt sie den Eifelverein, der Besuch kostet Eintritt, lohnt sich aber wegen der fantastischen Sicht vom hohen Bergfried in das romantische Liesertal. Dem Vulkanismus verdankt die Eifel rund 400 Mineral- und Heilquellen, wie beispielsweise die von Gerolstein. „Zur ,Sprudelstadt zieht es vor allem Fossiliensammler“, weiß Rainer Schmitz. Sie liegt in einer Kalkmulde mit interessanten Felsresten von Korallenriffen aus dem urzeitlichen Devonmeer. Das Gerolsteiner Verkehrsamt gibt Hobby-Geologen gute Tips, wo sie nach Versteinerungen schürfen dürfen. Dies ist auch unter fachkundlicher Anleitung möglich.
Die Kreisstadt Daun ist ebenfalls heilklimatischer und Kneipp-Kurort und besitzt die meisten Ferienbetten in der Vulkaneifel. Die zentrale Lage erlaubt interessante Sterntouren. Drei blinkende „Augen der Eifel“ kann man erwandern: Das Gemündener Maar und das Schalkenmehrener Maar laden sogar zum Baden, Angeln, Bootfahren und Surfen ein, mit Liegewiesen und Campingplätzen. Naturgeschützt ist hingegen das Weinfelder oder Totenmaar. Finster und geheimnisvoll gluckst sein Wasser. Aber im Frühjahr verscheuchen die warme Sonne den Schnee und der leuchtende Ginster alle Melancholie. Für Naturfreunde gibt es nichts Schöneres, als zu Fuß durch die Vulkaneifel zu streifen. Aber man kann dort noch anderes erleben. Tennis, Reiten, Mountainbiken, Klettern, Drachenfliegen und viele andere Aktivitäten füllen die Tage aus. Wer will, kann auf dem Bauernhof wohnen und mitarbeiten. Motorsportfreunde finden bei Adenau ihr Dorado. Dort schlingt sich um die Gipfel von „Nürburg“ und „Hohe Achte“ die berühmte Rennstrecke.
Christian Endermann, Maik Kowark
Die obigen Beiträge der Schüler aus Cottbus wurden in der FAZ vom 21. April 1999 veröffentlicht. Die drei folgenden Berichte der Klasse 10d des KSG über ihren Besuch in Cottbus brachte die FAZ am 1. Dezember 1999.
Neue Dörfer
Seit Beginn der Kohleförderung vor mehr als hundert Jahren sind viele Tausend Hektar Wälder, Wiesen und Auen - und auch ganze Dörfer dem Tagebau zum Opfer gefallen. Gymnasiasten aus Andernach recherchierten im brandenburgischen Kausche, wie sich Menschen fühlen, die samt Glockenturm und Friedhof ihren angestammten Grund und Boden verlassen müssen. Hauptsächlich die Älteren, so fanden sie heraus, hatten sich noch nicht eingelebt; die jüngeren sahen eher die Vorzüge neuer Häuser, Straßen und Gemeinschaftseinrichtungen, die den Verlust heimatlichen Bodens ausgleichen sollen. Die Schüler gingen auch der Frage nach, was nach der Kohleförderung mit den bergbaulich beanspruchten Flächen passiert. Sie erfuhren, daß die Tagebau-Betreiber dazu verpflichtet sind, die Flächen zu sanieren und zu rekultivieren, und daß erste naturnahe Landschaften bereits entstanden sind und auch Erholungsnutzung Arbeitsplätze schaffen kann. gwh.
Dreckschicht fingerdick auf der Fensterbank
Wenn ein neues Braunkohlevorkommen gefunden wird, kann es sein, daß ein Dorf gerade an dieser Stelle steht. Kausche war so ein Ort, und die Bewohner wurden an den Rand von Drebkau, einem 2800-Einwohner-Städtchen, umgesiedelt. Nach einer Umfrage hatten sie diese Wahl unter mehreren Möglichkeiten getroffen.
Doch wie denken Drebkauer über ihren neuen Ortsteil? Viele Passanten sagten, es sei zu eng gebaut und jeder lebe noch für sich selbst. Ein Grund dafür sei, daß die damaligen Bürger des alten Kausche weiter auseinander gelebt hätten. Für die ältere Generation sei die Umsiedlung sehr schwer, da sie noch immer an ihrer alten Heimat hänge. Es habe auch Bewohner gegeben, die mit der neuen Umgebung nicht klarkamen und deshalb wegzogen.
Wegen der Brikettfabrik und dem Braunkohleabbau galt das alte Kausche mitunter als „Dreckloch“. Zitat eines Drebkauers: „ Die Dreckschicht lag fingerbreit auf der Fensterbank.“ Für nennenswert im neuen Kausche hielten viele Befragte die Entwicklung einer guten Jugendarbeit und das Vorhandensein von vielen Freizeitmöglichkeiten. Auch Drebkau profitiere von der Umsiedlung, da die Infrastruktur enorm verbessert wurde. Man baute ein besseres Straßennetz, erweiterte das öffentliche Verkehrsnetz, errichtete Fußgängerzonen und Fahrradwege. Die Verständigung zwischen Jugendlichen von Drebkau und Kausche ist noch im Entwicklungsstadium.
Norman Böttcher, Jörg Schrörs, Florian Hammes
Umsiedlung ist kein Umzug
Wenn man durch eine der wenigen Straßen des neuen Kausche geht, gewinnt man den Eindruck, als ob man sich in einem Dorf von Modellhäusern befindet. Man sieht kein Haus, das älter ist als vier Jahre. Nur selten trifft man einen der Einwohner auf der Straße.
Während unseres Aufenthalts an diesem sonderbaren Ort versuchen wir, der Sache auf den Grund zu gehen, und sprechen auch mit dem Ortsvorsteher Jürgen Engelmann, zugleich stellvertretender Bürgermeister vom benachbarten Drebkau. „Umsiedlung ist kein Umzug. Sie ist nicht abgeschlossen, wenn die neuen Häuser stehen, die Gärten sprießen und der Verkehr fließt. Das ist ein schwerwiegender, langwieriger Prozeß, der über Jahre geht. In Kausche war oder ist jede Familie traditionell mit dem Bergbau verbunden, und so haben wir als Kommune den Bürgern keine goldenen Türklinken versprochen. aber berechtigte Hoffnungen und Forderungen umgesetzt. Besser haben wir es nicht gekonnt“, ist seine Meinung.
Schon Mitte der sechziger Jahre war klar, daß Kausche der Braunkohle würde weichen müssen. „Es stellte sich also nicht die Frage, ob wir gehen, sondern wie wir gehen“, so der Ortsvorsteher, der als Bergbauingenieur in einer Brikettfabrik beschäftigt war. Proteste habe es keine gegeben, aber Probleme schon. Die wurden seit 1990 im Bürgerberatungsbüro heiß diskutiert und mit den Bergbautreibenden zumeist gelöst. „Das Eingewöhnen an einem neuen Ort braucht seine Zeit. Besonders um die älteren Mitbürger müssen wir uns kümmern“, so Engelmann. Und das Konzept scheint aufzugehen. Im Seniorenklub sind 90 Kauschaer, der Posaunenchor hat fünfzig Mitglieder, zumeist aus Drebkau. 380 Kauschaer waren umgesiedelt, jetzt hat der Ortsteil schon 420 Einwohner. Die 35 Eigenheimbesitzer konnten sich Grundstücksgrößen von 700 bis 2800 Quadratmeter aussuchen, umgesiedelte Mieter bezahlen in den neuen Mietwohnungen fünf Jahre ab Erstbezug nur sechs DM kalt je Quadratmeter, danach sind nur geringe Erhöhungen vorgesehen. Und wie denken Einwohner über die Umsiedlung? Insgesamt wird die neue Wohnsituation positiv beurteilt, da sich beispielsweise auch die hygienischen Verhältnisse deutlich gebessert haben. Ein älterer Herr äußert: „Ich bin froh, daß ich umgezogen bin, obwohl es hier keine Dorfgemeinschaft mehr gibt wie früher.“ Ein Jugendlicher meint: „Einerseits finde ich es gut, daß ich jetzt hier wohne, da alles modern auf junge Leute angepaßt ist. Andererseits komme ich mir noch nicht wie zu Hause vor, und es wird auch noch einige Zeit dauern, bis ich mich hier eingelebt habe.“
Julia Wickert, Yasemin Tufan, Susanne Stölzgen
Besuch aus Cottbus (September 1999)
Das KSG nimmt nunmehr im dritten Jahr erfolgreich teil an dem bundesweiten Projekt „Jugend und Umwelt Partnerschulen im Dialog“, einer gemeinsamen Initiative der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und des IZOP-lnstituts in Aachen. Im Mittelpunkt des Projektes stehen Begegnungen von Gymnasialklassen der Sekundarstufe I aus den alten und neuen Bundesländern. Partnerschule des KSG ist seit 1997 das Heinrich-Heine-Gymnasium (HHG) in Cottbus. Die diesjährigen Partnerklassen (Schuljahr 1999/2000) sind die 10 d des KSG, unter der Projektleitung von Petra Weber, unterstützt von ihren Kollegen Rudolf Kerres und Volker Schradin und die 10 f des Heinrich-Heine-Gymnasiums, unter der Projektleitung von Kai Sprenger und seiner Kollegin Kerstin Jakob. Diese Klassen besuchen sich gegenseitig, um Umweltrecherchen durchzuführen und für die FAZ journalistisch aufzubereiten.
Das Projekt ist pädagogisch in dreifacher Hinsicht wertvoll: Durch die fächerübergreifende Arbeit mit der Zeitung während eines ganzen Schuljahres erzieht es die Heranwachsenden zu kritischem Umgang mit Medien, es ermutigt zu umweltbewußtem Handeln und fördert den innerdeutschen Dialog. Bereits vor den Sommerferien begann ein reger Briefwechsel zwischen den beiden Projektklassen. Erwartungsvoll blickten alle der ersten Begegnung entgegen, die jetzt Ende September in Andernach stattfand. Die Gruppe aus Cottbus erforschte in unserer Region ökologische Aspekte des Weinbaus in Leutesdorf. Sie erfuhren viel über Bedeutung und Probleme des Steillagenweinbaus sowie die Notwendigkeit der Erhaltung dieser Kulturlandschaft. Bei einem Gang durch die Weinberge und über Streuobstwiesen standen viele kompetente Ansprechpartner Rede und Antwort, und man darf nun gespannt darauf sein, wie die Schulklasse die vielen Eindrücke journalistisch aufbereiten wird für die Sonderseite „Jugend und Umwelt“, im Feuilletonteil der FAZ
Auf dem abwechslungsreichen Freizeitprogramm standen für die Gäste aus dem Spreewald eine Führung durch die Bäckerjungenstadt, die Besichtigung des Klosters Maria Laach und eine Exkursion nach Köln. Daneben blieb Zeit zur freien Verfügung in den Gastfamilien, zu denen übrigens auch Familien von Schülerinnen und Schülern der Parallelklassen im KSG zählten. Die Bilanz der Begegnungen ist durchweg positiv. „Eine Woche ist viel zu kurz!“, war die einhellige Meinung beider Partnerklassen. Die Salentiner freuen sich schon auf ihren Rückbesuch in Cottbus im Mai 2000.
ASZ Nr. 41/1999