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Dr. Felix Genn, der neue Trierer Weihbischof


 

Dr. Felix Genn (49) ist von Papst Johannes Paul II. zum neuen Weihbischof in Trier ernannt worden. „Ich freue mich“, sagte Bischof Dr. Hermann Josef Spital zu Beginn eines Pontifikalamts anläßlich der Eröffnung der diesjährigen Heilig-Rock-Tage am Heilig-Rock-Fest am 16. April im Trierer Dom, „daß ich Ihnen bekanntgeben darf, daß der Heilige Vater für unser Bistum einen neuen Weihbischof ernannt hat. Es ist Dr. Felix Genn, Ihnen allen gut bekannt aus den Tagen der Wallfahrt.“

Die Bischofsweihe findet am Sonntag, 30. Mai, im Trierer Dom statt. Genn wird Titularbischof von Uzah (heute El Alia, Tunesien). Nach dem Tod von Weihbischof Gerhard Jakob am 5. Mai 1998 hatte Bischof Dr. Hermann Josef Spital den Papst um die Ernennung eines neuen Weihbischofs für das Bistum gebeten.

In der Öffentlichkeit war Dr. Felix Genn 1996 vor allem als Leiter der Heilig-Rock-Wallfahrt bekannt geworden. Bischof Spital hatte den damaligen Spiritual des Trierer Priesterseminars mit der Vorbereitung und Durchführung der Christus-Wallfahrt betraut. Unter der Leitung von Genn wurde die Wallfahrt, zu der 700.000 Besucher kamen, zu einem international beachteten geistlichen Ereignis mit breiter ökumenischer Beteiligung. Seit 1997 leitet Genn als Regens das Studienhaus St. Lambert in Burg Lantershofen bei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dort bereiten sich Spätberufene auf den Priesterberuf vor. Geboren wurde Felix Genn am 6. März 1950 in Burgbrohl, Kreis Mayen. Aufgewachsen ist er in Wassenach. Sein Abitur machte er 1969 am Gymnasium in Andernach. Von 1969 bis 1974 folgte das Studium der Theologie und Philosophie in Trier und Regensburg. Zum Priester geweiht wurde Genn am 11. Juli 1976 durch Bischof Dr. Bernhard Stein im Trierer Dom. Anschließend war Genn Kaplan in Bad Kreuznach, Heilig Kreuz, und wurde 1978 Subregens am Bischöflichen Priesterseminar Trier. 1985 erfolgte die Promotion zum Dr. theol. in Trier mit dem Thema: Trinität und Amt bei Augustinus; im gleichen Jahr erfolgte die Ernennung zum Spiritual am Bischöflichen Priesterseminar Trier. 1994 wurde Dr. Genn Ständiger Lehrbeauftragter für Christliche Spiritualität an der Theologischen Fakultät Trier und Leiter der Heilig-Rock-Wallfahrt. Seit 1. September 1997 ist Dr. Felix Genn Regens am Studienhaus St. Lambert in Burg Lantershofen.

Paulinus vom 25. 4. 1999

 

Die Vereinigung ehemaliger Salentiner und das Kurfürst-Salentin-Gymnasium gratulieren Dr. Felix Genn herzlich zu seiner Bischofsweihe und wünschen ihm viel Kraft und Gottes Segen für die Arbeit in seinem neuen Wirkungsbereich. Wie in dem Artikel des Paulinus bereits kurz angedeutet, ist Dr. Genn ein ehemaliger Schüler des Kurfürst-Salentin-Gymnasiums, an dem er 1969 seine Abiturprüfung ablegte. Nach den Benediktinerpatres Odo Casel (Abiturientia 1905) und Maurus Münch (1919) sowie Domdechant Johannes Wagner (1927) ist er der vierte außergewöhnliche Theologe, den unsere Schule im 20. Jahrhundert hervorgebracht hat.

 

Weihbischof Dr. Felix Genn im Gespräch mit Lehrern des KSG. V.l.n.r.: Norbert Lauer, Klaus Klein, Eberhard Häckell, Dr. Felix Genn, Arnold Breitbach (verdeckt), Dr. Wolfgang Fischer

Foto: Peter Heinsch 

Unsere Vereinigung ist Dr. Genn auch deshalb zu besonderem Dank verpflichtet, weil er seit dieser Zeit auch der Obmann seines Abiturjahrgangs geblieben ist. Dr. Genn ist seinerseits dem KSG sehr verbunden, und deshalb lud er alle seine ehemaligen Lehrer und den Schriftführer (als Vertreter der Vereinigung ehemaliger Salentiner) zu seiner Bischofsweihe im Trierer Dom ein. Es konnten nicht alle diesem Ruf folgen. So meldete sich Walter Scheer telefonisch und gab seinem Bedauern Ausdruck, daß er wegen seiner Krankheit der Einladung nicht folgen könne. Immerhin kamen zur Bischofsweihe Arnold Breitbach, Dr. Wolfgang Fischer und Brigitte Ungethüm als Vertreter des KSG nach Trier. Andere, die an diesem Tag verhindert waren (wie etwa Herr Winheller und seine Frau), fuhren nach Wassenach, als Dr. Genn sich in seiner Heimatpfarrei als Bischof vorstellte. Welche Bedeutung dieser Ehrentag für Wassenach hatte, erhellt der Bericht der Olbrück-Rundschau (Nr. 13/1999) allein durch seine Länge und seine zahlreichen Fotos.

 

 

Weihbischof Dr. Felix Genn im Kurfürst-Salentin-Gymnasium


Bis auf den letzten Platz war die Pfarrkirche St. Albert gefüllt, und das um 8 Uhr morgens. Der Grund: Die Arbeitsgemeinschaft (AG) Schulgottesdienst am Kurfürst-Salentin-Gymnasium (KSG) unter Leitung von Petra Weber und Anne-Kathrein Winkler hatte zum ökumenischen Wortgottesdienst eingeladen.

Der Einladung war ein besonderer Gast gefolgt: der ehemalige Salentiner und neue Weihbischof Dr. Felix Genn.

Er eröffnete die Feier, die unter dem Motto „Aufbruch in das Jahr 2000“ von Schülern aller Jahrgangsstufen vorbereitet worden war. Zukunftsängste und Zukunftsträume der Jahrgangsstufe 13 standen dabei ebenso im Mittelpunkt wie die kleinen Sorgen der Jüngeren. Als Antwort des christlichen Glaubens stellten die Schülerinnen und Schüler die Verheißung des Propheten Jesaja vor: „Aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor“ - ein Zukunftsbild, das im Neuen Testament auf die Geburt Jesu übertragen wird.

Die biblischen Texte wurden von Sechstkläßern in Form von Schattenspielszenen (Leitung: Annegret Rayes) als Aufbruch in die Zukunft dargestellt. Während der Adventszeit hatten die KSGler in vielen Klassenräumen Barbarazweige  als Symbol der „Wurzel Jesse“ zum Blühen gebracht, die sie als Hoffnungsträger verteilten. Unterstützt wurde die Feier durch die musikalischen Arbeitsgemeinschaften des KSG: die Chor-AG 5/6 unter Leitung von Anne Setzkorn, die Band AG und AG Ton/Lichttechnik unter Leitung von Uwe Rees und die Gastmusiker Tobias Exner und Matthias Lang. Zum Schluß verabschiedete Weihbischof Genn mit seinem Segen die Sechstkläßler zum traditionellen Sponsormarsch für Leprakranke. Nach dem Schulgottesdienst freute er sich über die Begegnung mit Lehrkräften seiner alten Schule. In einer Diskussionsrunde stand der Weihbischof dann Religionskursen der Oberstufe Rede und Antwort zu brisanten kirchlichen Themen. Dabei beeindruckte Genn die Schüler durch seine erfrischend offene Art. Der Skepsis einiger, ob Kirche eine Zukunft habe, hielt er „die Chance der Ratlosigkeit“ entgegen. Er sehe den derzeitigen Umbruch in der Gesellschaft hoffnungsvoll, denn die religiöse Sehnsucht der Menschen bleibe überall spürbar.

RZ 29. Dez. 1999

 

 

So weit der Bericht in der Rheinzeitung. Nach dem ökumenischen Gottesdienst traf sich Weihbischof Dr. Genn am 22. Dezember 1999 im KSG zu einem Gespräch mit Lehrern und Schülern. Das Gespräch mit den Lehrer, deren Mehrheit allerdings durch ihre Unterrichtsverpflichtungen verhindert war, fand in einem Raum der Mediothek statt. Von den Pensionären waren auch Norbert Lauer, Klaus Klein und Arnold Breitbach erschienen.

 

Weihbischof Dr. Genn im Gespräch mit den Schülern

Foto: Peter Heinsch

In dieser Gesprächsrunde sprach Dr. Genn seinen Dank an seine ehemalige Schule und seine Lehrer mit einem Nachdruck aus, der einen unvergessenen Eindruck hinterließ.

Dr. Genn stammt aus einer Wassenacher Bauernfamilie. Für seine Eltern war das Gymnasium eine ferne, unbekannte Welt, und in Fortsetzung der Familientradition hätte auch ihr Sohn Bauer werden sollen.  Felix Genn wollte jedoch Priester werden, so daß seine Eltern ihn 1961 in der Sexta des KSG anmeldeten. Am Kurfürst-Salentin-Gymnasium lernte er, wie er selbst erzählte, die abendländische Bildung und Kultur kennen. Dort erwarb er auch das methodische Rüstzeug, das ihm den Weg zum Studium und zum Priestertum ebnete. Seiner Schule und seinen Lehrer, von denen Oberstudienrat Winfried Schäfer noch als einziger im aktiven Dienst ist, wollte er danken. Das sei, sagte Dr. Genn, einer der Gründe seines Besuchs am KSG.

Bei der feierlichen Übergabe des Kurfürst-Salentin-Gymnasiums an das Land Rheinland-Pfalz im November 1957 hatte Oberstudiendirektor Dr. Langer versprochen, das Gymnasium werde als „humanistische Anstalt für ein fortschrittliches Europa eintreten und im Endziel jener humanitas christiana, dem christlichen Humanismus, zustreben“. Dieser Geist wurde jedoch in kurzer Zeit in Frage gestellt. 1963 malte Georg Picht das Schreckgespenst der deutschen Bildungskatastrophe an die Wand. 1968 wurde Deutschland von den Unruhen der APO-Revolution erschüttert. Daß das KSG relativ ruhig durch diese unruhige Zeit kam, verdankt es, wie einer der Pensionäre zu berichteten weiß, Dr. Felix Genn, der als Schülersprecher in Zusammenarbeit mit dem damaligen kommissarischen Religionslehrer, Klaus Thoma, einen beruhigenden Einfluß auf seine Mitschüler ausübte. Der unruhige Geist holte jedoch auch seine Abiturientia 1969 ein. Nur fünf der Oberprimaner sprachen sich für eine Abiturfeier im traditionellen Rahmen aus. Daraufhin ließ Dr. Langer die Abiturienten in seinem Dienstzimmer antreten, um ihnen ihre Zeugnis auszuhändigen. Nach erfolgter Übergabe der Zeugnisse habe Dr. Langer ihnen die Tür gewiesen, berichtete Dr. Genn. Dabei verhehlte er nicht sein Bedauern über diesen sang- und klanglosen Abschied, sollte die Abiturfeier doch der Augenblick sein, wo die Eltern das Gymnasium zum ersten Mal in ihrem Leben betreten wollten.

Inzwischen ist die Zeit weitergegangen. Man kann zwar noch am KSG Latein und Griechisch lernen, die Schule ist jedoch kein humanistisches Gymnasium mehr, und auch der von Dr. Langer beschworene Geist des christlichen Humanismus hat sich verflüchtigt. Mit der Einführung der Mainzer Studienstufe hat man den Gedanken eines verbindlichen Fächerkanons endgültig zu Grabe getragen. Wie lange noch werden Abiturienten des KSG an ihre Schule zurückkehren und aus Überzeugung sagen, hier die Grundlagen einer wissenschaftlichen Ausbildung erhalten zu haben?

In der Pause begrüßte Dr. Genn die übrigen Mitglieder des Lehrerkollegiums, darunter seinen ehemaligen Deutschlehrer Winfried Schäfer. Danach stellte er sich den Schülern zu einer Diskussionsrunde, die von der Oberprimanerin Kirsten Rulf moderiert wurde. In Laufe dieses Gesprächs gab Dr. Genn auch für die Schüler einen zusammenfassenden Überblick über seinen Werdegang und erläuterte ihnen die Bedeutung seines Weihbischofsamtes. Für manchen überraschend war der Optimismus, mit dem er die gegenwärtige Glaubenskrise kommentierte. Nachdem der politische - und vor allem auf den Dörfern- auch der soziale Zwang entfallen sei, könnten die Menschen ihre Glaubensüberzeugung frei entfalten. Die Menschen suchten Antworten, die der aufklärerische Geist unserer Tage ihnen nicht geben könne. Das sei die Chance der Kirche in der Zukunft.

In der Diskussion, die angesichts der knappen Zeit nicht lange dauern konnte, kam sofort die Frage nach der Stellung der Kirche in der Schwangerschaftskonfliktberatung auf. Dr. Genn ist ein Befürworter der Beratung. Die Beratung der Schwangeren sei eine pastorale Aufgabe der Kirche. Nach seiner Darstellung habe die Caritas durch ihre Beratertätigkeit etwa 1.000 Menschenleben retten können. Zu den Beratungsstellen des Bistums Trier kämen auch Nichtkatholiken, darunter auch zahlreiche muslimische Frauen. Diese Beratung solle nicht eingestellt werden. Dr. Genn fand es jedoch bedenklich, daß die augenblicklich Praxis zu einem Bewußtseinswandel und zu einem Absinken der Hemmschwelle geführt habe. Die Tatsache, daß jede Abtreibung die Tötung eines ungeborenen Menschen bedeute, werde in den Hintergrund gedrängt, so daß weitgehend schon ein Recht auf Abtreibung beansprucht werde. Unter dem Eindruck dieses Bewußtseinswandels schloß sich Dr. Genn der Argumentation Papst Johannes Pauls II. an.

W. F.