KSG Andernach


Dr. Erwin Nachtsheim: Herrn StD i.R. Dr. Barthel Ewen zum 85. Geburtstag



Dr. Ewen
Dr. Barthel Ewen
Im vorigen Jahr feierte Studiendirektor Dr. Barthel Ewen seinen 85. Geburtstag. Er beging diesen Tag mit seiner Familie, mit Freunden und Kollegen in seinem gemütlichen Heim in der Neuwieder Bismarckstraße. Herzlich, aufgeschlossen und fröhlich begrüßte er seine Gäste, als wären die 20 Jahre seit seiner Verabschiedung von der Schule an ihm fast spurlos vorüber gegangen.

Dr. Ewen wurde als 4. Kind am 14.02.1920 in Rockeskyll bei Gerolstein geboren. Auf dem elterlichen Hof mußte jeder mit anpacken. So war ihm die Sorge um Vieh und Ernte nicht fremd. Als sein älterer Bruder im Krieg gefallen war, mußte er auch während seines Studiums einspringen und seinem Vater eine elterliche Last abnehmen. Wir können ihn uns auf der Erntemaschine, mit der die Hilfskräfte nicht umzugehen verstanden, gut vorstellen. Doch zurück zu seinem Lebensweg.

Die Schulzeit beendete er mit dem Abitur in Hadamar, wurde dann zum Arbeitsdienst eingezogen und blieb nicht wie üblich in einem Lager, sondern wurde an den Westwall beordert. Zum Wehrdienst war er noch zu jung. Deshalb besuchte er zwischendurch die Meisterschule in Trier, wo er besonders im Malkurs seinen künstlerischen Neigungen nachgehen konnte.

Nun kam das Unvermeidliche, dem in dieser Zeit keiner entgehen konnte: die Einberufung zur Wehrmacht. Er wurde Soldat und kam 1940 zu einer Nachrichteneinheit nach Koblenz. Über vier Jahre dauerte für ihn der Krieg. Die Kriegteilnehmer schweigen meist von den Strapazen, Not und Gefahren. Dr. Ewen erlebte sein eigenes Schicksal, sei es im eingeschlossenen Kubanbrückenkopf (Kaukasus), in Rußland, Rumänien oder schließlich in Ostpreußen. Auf einer abenteuerlichen Flucht mit zwei Kameraden über ein eisschollenbedecktes Haff entkam er zunächst den Russen, landeten dann doch in amerikanischer Gefangenschaft. Zum Glück wurde er schon Ende Mai 1945 entlassen.

Zu Hause wartete auf ihn eine harte Arbeit. Für das Wintersemester 1946 konnte er sich an der Uni Bonn immatrikulieren und belegte die Fächer Geschichte, Erdkunde und Latein. Im Januar 1952 legte er das Staatsexamen ab. Promoviert wurde er 1956 als junger Studienrat mit einem Thema aus der Siedlungsgeographie, an welchem er die Fragestellung und Methodik der modernen Geographie erläutern sollte, nachdem ihn sein Professor zum Ausbau der Staatsarbeit ermuntert hatte.

Den pädagogischen letzten Schliff bekam er am damaligen Staatlichen Gymnasium für Jungen (Werner-Heisenberg-Gymnasium) in Neuwied und am Görresgymnasium in Koblenz. Die erste Anstellung erhielt er 1954 am damaligen Städtischen Mädchengymnasium (Rhein- Wied-Gymnasium) in Neuwied und fuhr im gleichen Jahr hoffnungsfroh und glücklich in den Hafen der Ehe ein. Seine Frau Margrit, geb. Grzembke schenkte ihm fünf Kinder. Heute blicken beide auf eine große Familie mit zehn reizenden Enkeln.

Von 1960 bis 69 wirkte er als Studienrat am Werner-Heisenberg-Gymnasium und wurde 1969 als Studiendirektor in die Schulleitung des Kurfürst-Salentin-Gymnasiums nach Andernach berufen. In seiner Hand lag vor allem die Leitung der Orientierungsstufe mit dem Schwerpunkt für pädagogische Aufgaben. Zu seiner Verabschiedung 1984 erschien eine Würdigung seines hervorragenden Wirkens an unserer Schule in Nr. 26 der "Nachrichten" vom März 1985.

So sehr er sich für die Schule engagierte, nahm er sich auch Zeit für seine ehrenamtliche Arbeit in Kommune, Kirche und der VHS. Er wurde in den Stadtrat und Pfarrgemeinderat gewählt, als Leiter des Sozialseminars in Engers berufen und war Dozent an der Pädagogischen Akademie in Rengsdorf.

Als Ausgleich für diese spannende aber auch anstrengende Arbeit beackerte er seinen Garten oder betätigte er sich als Holzfäller in seinem väterlichen Erbe. Für viele ein Beispiel, wie man sich jung erhält. Mit seiner Gattin war er auf Reisen nach Frankreich und Italien, um seiner Leidenschaft für Kunst und Geographie nachzukommen. Sein Interesse gilt nach wie vor der Literatur, hier vor allem philosophisch-theologischen Büchern.

Über all den Daten und Ereignissen darf man eines nicht vergessen. Dr. Ewen war ein verantwortungsbewußter Lehrer, der bei seinen Schülern und deren Eltern in hohem Ansehen steht. In seiner väterlichen Art hat er manchem Beistand leisten können; seinem Unterricht verdanken alle Förderung über die Schulzeit hinaus. Sie zollen ihm Anerkennung und Respekt.

Noch ein persönliches Wort: Man spricht so gern von einem Glücksfall. In unserem Fall war er einer. Wir haben einträchtig in bestem Einvernehmen, Du, lieber Barthel am KSG und ich am BvSG, die Orientierungsstufe geleitet und nachher in der Schulleitung am KSG zusammen gearbeitet. Dafür möchte ich Dir danken und wünsche Dir und Deiner lieben Frau noch viele glückliche Jahre.